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Schwieriges Kundenfeedback bewältigen und effizient nutzen
UX & UI Design 9 min Lesedauer

Wie wir schwieriges Kundenfeedback bewältigen und für den Designprozess nutzen

Theresa Haslinger Theresa

Eine Situation, die wir nur allzu gut kennen: Ein individuell ausgearbeitetes Screendesign einer zukünftigen Website wird vom Designteam präsentiert. Wir, die Designerinnen, gehen auf alle verschiedenen Content-Block-Möglichkeiten ein, erklären unseren SEO-optimierten Seitenaufbau und schildern außerdem, warum dieser Ansatz auch aus Sicht der Conversion-Rate-Optimierung perfekt für den Kunden funktionieren würde.

Dann der Moment der Wahrheit: das Kundenfeedback zum Designvorschlag folgt. Was eigentlich eine wertvolle Gelegenheit wäre, die eigene Meinung und das eigene Vorwissen einzubringen, entpuppt sich schnell als hitziges Feedbackgespräch.

Als Designerin versucht man anschließend, die Situation durch weitere Erläuterungen oder sogar durch den Vorschlag eines neuen Entwurfs zu klären, doch manchmal kann es schwierig sein, das Design rasch wieder auf Kurs zu bringen. Wie lassen sich solche Situationen also bestmöglich meistern? Worauf muss im Designprozess geachtet werden? Und vor allem: Wie geht man mit Kunden um, die scheinbar dauerhaft unentschlossen sind?


Warum schwieriges Feedback überhaupt entsteht

Als Designer ist es besonders wichtig, sich in solchen Situationen von seinem Designkonzept, also seinem persönlichen „Werk“, abgrenzen zu können. Denn Kundenfeedback, wie es oben dargestellt ist, entsteht fast immer aus einer Emotion, aber persönliche Vorlieben, einen eigenen Geschmack oder anderes Vorwissen zu haben, ist einfach nur menschlich. Ein Kommentar wie „Das gefällt mir nicht.“ ist also selten ein Angriff gegen die eigene Arbeit und schon gar nicht gegen die Person, die das Design erstellt hat.

Viel häufiger sind es schlichtweg Kunden, denen gerade der korrekte Ausdruck fehlt, um ein einfaches Bauchgefühl zu benennen. Die einen können das eben besser, die anderen schlechter. Hinzu kommt, dass Kundenfeedback meist nicht nur von einer Person ausgeht, sondern oft mehrere Stakeholder den Designvorschlag durchsehen. Vielleicht gibt es sogar eine konkrete Schlüsselperson im Team, die überzeugt werden muss, um den Prozess positiv voranzutreiben.

Genau hier liegt aber die eigentliche Aufgabe: die richtigen Fragen zu stellen, um auch aus emotional-handelnden Kunden noch eine konkrete Meinung oder im besten Fall sogar einen Vorschlag herauszukitzeln.

Umgekehrt gilt das aber auch für uns: Essenziell ist, dass man jederzeit erklären kann, warum eine Designentscheidung so getroffen wurde. Wer seine eigenen Entscheidungen begründen kann, verwandelt eine hitzige Diskussion schnell in ein sachliches Gespräch auf Augenhöhe.

Aber gehen wir mal nicht vom schlimmsten Szenario aus: Die meisten dieser Situationen lassen sich mit dem richtigen Vorgehen im Designprozess sogar komplett vermeiden.


Der Designprozess beginnt schon vor dem Briefing-Termin

Man könnte meinen, der Designprozess beginne mit dem Erstellen eines Figma Files und dessen grafischer Ausarbeitung. Das stimmt aber nicht ganz – unser Ansatz beginnt nämlich bereits vor dem Briefing-Termin und zieht sich bis zur Übergabe an die Entwickler durch.

Wir als Designerinnen müssen uns schon vor dem ersten Kundenkontakt folgender Punkte bewusst sein:

Genau aus diesem Grund sollte man sich auf ein Briefing-Gespräch mindestens genauso gut vorbereiten, wie auf den eigentlichen Präsentationstermin.

Durch eine ausreichende Recherche im Vorhinein kann sofort auf die individuellen Anforderungen des Unternehmens reagiert werden. Und abgesehen von den vorbereiteten Fragen merkt man ohnehin schnell, ob das Gegenüber bereits eigene Vorstellungen, Wünsche oder weitere Inputs mitgebracht hat. Sicher ist nur: Wir sind über jede richtungsweisende Aussage unserer Kundinnen und Kunden dankbar, denn genau solche Inputs sind, neben der internen Recherchearbeit davor, die Grundlage für unser Designkonzept.

Mithilfe einer leitenden Präsentation navigieren wir strukturiert durch die Themen des Briefing-Gesprächs. Neben Fragen zum Unternehmen und zum Ziel der Leistung bereiten wir dabei IMMER folgende Fragen im Voraus vor:

Genau hier entscheidet sich später oft, ob es zum „Das sind ja gar nicht wir“-Moment kommt: Fehlt das Fotomaterial schon im Briefing, fehlt es auch in der Präsentation.

So banal diese Fragen klingen, sie sind der Unterschied zwischen einem Design, das auf Fakten fußt, und einem, das auf Annahmen gebaut ist. Je mehr wir vorab klären, desto weniger Unklarheiten bietet die spätere Präsentation.

Und trotzdem: Ganz vermeiden lässt sich schwieriges Kundenfeedback nie. Was also tun, wenn es doch kommt?


Schwieriges Kundenfeedback richtig übersetzen

Unser Ansatz ist ganz klar: Schwieriges Feedback wird nicht umgesetzt, es wird übersetzt. Es geht darum, den Hintergrund zu verstehen und darauf neue Lösungsvorschläge aufzubauen.

Gehen wir die verschiedenen Aussagen also einmal langsam durch und beleuchten sie aus unserer Sicht.

„Das Design gefällt mir so nicht.“

Was steckt dahinter? Meist ein sprachloses Bauchgefühl, denn die erste Reaktion ist fast immer emotional geprägt.


Wie wir vorgehen: Konkrete Gegenfragen.

„Was genau – die Farben, die Struktur, die Bildsprache?“ 
Mit zielgerichteten Rückfragen zum Empfinden der Person leitet man diese gezielt zu ihrer eigentlichen Antwort und hilft ihr dabei, das Bauchgefühl zu konkretisieren. Das fühlt sich anfangs mühsam an, hilft aber enorm im weiteren Prozess, denn erst wenn klar ist, was stört, lässt sich überhaupt etwas verbessern.

„Warum ist die Seite so lang, so lange scrollt doch niemand.“

Was steckt dahinter?
Eine berechtigte Sorge, die Website mit Content zu befüllen, den am Ende niemand liest. Und in diesem Punkt stimmen wir den Kunden meistens sogar zu.

Wie wir vorgehen:
Die Länge unserer Designkonzepte ist kein Zufall, sondern Struktur. Wir sehen eine WordPress-Website als flexibles Baukastensystem mit wiederverwendbaren Content-Blöcken. Das heißt auch, dass nicht jeder Block auf jeder Seite so stehen muss, wie wir das im Design vorgeben. Meistens ist uns wichtig, aufzuzeigen, welche Blöcke überhaupt möglich sind und genau diese Flexibilität gilt es zu kommunizieren, ebenso wie alle weiteren Design-Entscheidungen.

„Das sind doch gar nicht wir auf dem Foto.“

Was steckt dahinter?
Ein völlig berechtigter Einwand. Feedback ist nämlich nichts grundsätzlich Negatives, vieles ist, genau wie dieser Kommentar, sogar wichtig und richtig.


Wie wir vorgehen:
Kunden sollen sich anhand des Demo-Contents vorstellen können, wie die Website am Ende befüllt wird und genau dieses Bild geben wir schon im ersten Designprozess vor. Nicht in jedem Fall stehen uns hierfür aber bereits echte Assets unserer Kunden zur Verfügung. Dann dienen alternative Bilder als Platzhalter.

Erfahrungsgemäß arbeiten wir aber lieber von Beginn an mit echten Bildern der bestehenden Website als mit KI-generierten Inhalten. Diese können eine Hilfe sein, wenn gar keine Assets vorhanden sind, müssen dann aber unter Umständen gekennzeichnet und richtig kommuniziert werden (Stichwort EU AI Act, Art. 50).

Um das Thema von vornherein zu vermeiden, setzen wir daher lieber schon im ersten Designkonzept auf echte Bilder und Videos.

Was können wir uns also für schwieriges Feedback ganz allgemein mitnehmen?

Und auch wenn nicht jedes Feedback sofort gut ist, hilft es doch immer, die Dinge einmal aus der Perspektive des Gegenübers neu zu betrachten.

Aber wie gehen wir nun mit sehr unentschlossenen Kundinnen und Kunden um?


Unentschlossene Kunden und wie wir damit umgehen

Manchmal trifft man ihn trotzdem: den Kunden, der sich scheinbar auch nach mehreren Feedback-Schleifen noch immer nicht entscheiden kann. 
Das Endprodukt liegt ihm besonders am Herzen, denn er ist perfektionistisch, hat vielleicht seeehr genaue Vorstellungen und möchte, dass am Ende wirklich alles bis ins letzte Detail seinen Erwartungen entspricht. Der unentschlossene Kunde ist also oft einfach nur noch unsicher.

Dazu kommt ein Faktor, den wir manchmal selbst kaum beeinflussen können: Nicht immer sitzen die eigentlichen Entscheidungsträger mit uns am Tisch. Oft ist unsere Ansprechperson nur Überbringer der Nachricht, wir werden also von internen Prozessen beeinflusst, die wir gar nicht sehen.
Und nicht zuletzt hängt vieles an den „teuren“ Entscheidungen: Wer viel Budget in ein Projekt steckt, will sichergehen, dass es sitzt.

Was in solchen Situationen am meisten hilft, ist keine bessere Rhetorik, sondern Verbindlichkeit.


Was langfristig hilft

Die richtige Rückfrage löst den Moment. Was aber über mehrere Feedback-Schleifen hinweg trägt, ist Verbindlichkeit. Zwei Dinge, auf die wir dafür setzen:

Was besprochen und freigegeben wurde, halten wir schriftlich fest – als Kommentar oder in der Projektdokumentation. So diskutieren wir nicht jede Runde neu. Gerade wenn Feedback über mehrere Ecken kommt, ist das Gold wert.

Wir nehmen Feedback ernst, setzen aber nicht jeden Wunsch kommentarlos um. Auch mal begründet zu widersprechen, gehört dazu. Ein Kunde, der spürt, dass wir für unsere Entscheidungen einstehen, gewinnt Vertrauen und macht aus „unentschlossen“ ein „passt, wir verlassen uns auf euch“.


Fazit

Schwieriges Kundenfeedback ist kein Störfaktor, den es zu überstehen gilt, im Gegenteil: Es ist eine weitere Chance, die wir für uns nutzen können.
Denn hinter fast jeder emotionalen Aussage steckt eine verwertbare Information: eine Sorge, ein Ziel, ein fehlendes Asset oder einfach ein Kunde, dem das Ergebnis besonders am Herzen liegt. Wer gelernt hat, dieses Feedback zu übersetzen, statt es einfach umzusetzen, macht am Ende nicht nur bessere Designs, sondern gewinnt auch das Vertrauen seiner Kunden.

Konnten wir dir weiterhelfen?

Ich hoffe, wir konnte dir mit diesen Tipps eine Hilfestellung für schwieriges Kundenfeedback und wie man damit am besten umgeht geben. Solltest du noch offene Fragen dazu haben, dann melde dich gerne bei uns über unser Kontaktformular – wir stehen dir aber auch in allen anderen Leistungsbereichen jederzeit zur Verfügung! 🍋💛

Theresa

Über die Autorin

Theresa verstärkt das Design-Team von LEMONTEC vor allem durch ihr besonderes Verständnis für die User und deren Bedürfnisse. Als Profi für komplexe Customer Journeys und Userflows weiß sie genau, wie sie dafür sorgt, dass ihre Designs ein voller Erfolg werden.

Theresa Haslinger
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